Columbia 24 H Wanderlust in der Hohwachter Bucht

von | 15.04.2017 | 0 Kommentare

2016 Wanderlust Hochwacht - Teilnehmer Gruppenfoto

Genusswandern in 24 Stunden

24-Stunden Wanderungen gibt es mittlerweile sehr viele. Der Ursprung liegt wohl bei Bergführerlegende Hans Kammerlander, der ein solches Event der Legende nach erfunden hat. Einige der Events, wie die 24-Stunden von Bayern sind mittlerweile so bekannt, dass die Startplätze per Losverfahren vergeben werden. Warum man überhaupt 24 Stunden am Stück wandert? Darüber scheiden sich die Geister. Torben vom Wandervideoblog hat einmal versucht, es auf seine Art in einem Video zu erklären.

2014 habe ich mich aus einer Laune heraus bei den 24-Stunden von Bayern beworben – und auch einen Startplatz erhalten. Das war mein Einstieg in das Langstreckenwandern. Damals habe ich vernünftigerweise nach 18 Stunden und rund 58 km am Stück aufgehört. Ich sage bewusst aufgehört und nicht aufgegeben. Denn weiterlaufen hätte ich schon noch gekonnt. Aber man fragt sich dann, um welchen Preis? Für mich ist Wandern immer noch als Genuss und nicht Leistungssport! Aber egal, es war eine interessante Herausforderung und ich habe nette Leute kennengelernt und bin über diese z.B. auch auf den Frankenwald Wandermarathon gekommen. Eine andere Art des Weitwanderns, die ich schon zwei Mal als Finisher genossen habe.

Was mich bei den meisten dieser Events aber gestört hat, ist die Tatsache, dass es in Norddeutschland kaum solche Events gibt. Events mit Genussfaktor, nicht solche, bei denen es rein um Leistung geht, wie diese 100 km Gewaltmärsche. Deshalb war ich begeistert, als ich von den Columbia Wanderlust Events erfahren hatte, die 2016 auch erstmalig an der Ostseeküste einen Austragungsort beisteuerten. Denn ich will zwar schon irgendwie an meine Grenzen gehen, aber auch etwas von Land und Leuten sehen und nette Menschen kennenlernen. Und außerdem möchte ich das auch mal in meiner Wahlheimat oder zumindest in unmittelbarer Nähe erleben und dafür nicht immer eine lange Anfahrt in Kauf nehmen. Daher kam mir Hohwacht mehr als gelegen und ich habe mich gleich dafür angemeldet.

Wander-Premiere am 4. und 5. Juni 2016 in der Hohwachter Bucht

Seit 2015 richtet der Outdoor-Ausrüster Columbia an unterschiedlichen Regionen in Deutschland und Österreich Wanderevents aus. 2016 fand die 24 H Wanderlust am Achensee, in der Fränkischen Schweiz und erstmals auch in der Hohwachter Bucht, direkt an der Ostsee statt. Hohwacht ist von uns aus gerade mal 1,5 Stunden Autofahrt entfernt, also perfekt um morgens hinzufahren und am nächsten Tag wieder nach Hause. Soweit der Plan. Nach Hause fahren nach so einer Tour? Sollte man normalerweise nicht. Aber mir war klar, dass ich die theoretischen 24 h und rund 90 km eh nicht komplett packen werde. Mitmachen und sehen, wie weit man kommt. Das war mein Ziel.

Also bin ich am Samstag, den 4. Juni morgens nach dem Frühstück losgefahren, denn der offizielle Startschuss sollte erst um 12 Uhr sein. Eine perfekte Zeit, gerade für eine Anreise aus der Umgebung. Start und Ziel des Events war das Hotel Hohe Wacht, direkt am Strand. Dort gab es auch Zimmer zu Sonderpreisen für die Teilnehmer. Ich wollte aber im Auto schlafen, sofern ich es tatsächlich nicht durchschaffen sollte. Darüber hinaus gab es auch Matratzenlager des Sponsors Therm-A-Rest. Also für Schlafmöglichkeiten war gesorgt.

Mit dem Starterpaket gab es bei der Anmeldung eine kleine Broschüre, in der alle Etappen und Highlights aufgelistet wurden. Inkl. Karten, Verpflegungsstationen und auch Notfallnummern für Shuttleservice etc. Klag erst einmal alles perfekt organisiert. Mein Mindestziel war die Tagesetappe, die man in der kurzen Version über 32 km oder der Langversion über 40,5 km laufen konnte. Da es im Mai 2016 recht warm war und ich auch nicht wirklich gut trainiert, wurde es dann nur die kurze Strecke. Zumal ich es teilweise sehr anstrengend fand, weil die Verpflegungsstationen doch sehr sparsam gesät waren. Das kannte ich von den anderen Wanderevents besser organisiert. Dieses Feedback habe ich der Mitausrichterin vom lokalen Tourismusbüro auch zurückgespielt. Mal sehen, ob sich da etwas bei künftigen Events ändert. Ansonsten war die Verpflegung ausreichend. Müsliriegel, frisches Obst, mal belegte Brötchen und immer ausreichend Getränke wie Wasser, Kaffee oder isotonische Getränke.

Durchhalten oder genießen?

Wie bereits geschrieben, stand für mich der Genuss im Vordergrund. Deshalb habe ich es auch langsam angehen lassen und fiel gefühlt gleich ordentlich zurück. Obwohl das bei den wenigen Teilnehmern im ersten Hohwacht-Jahr auch schnell ging. Es gibt ja immer übermotivierte Teilnehmer, die das Ganze als Sportevent betrachten. Soll jeder machen wie er es für richtig hält. Am nächsten Morgen habe ich übrigens im Gespräch mit einem Teilnehmer erfahren, dass zwei Kumpels von ihm – beides Marathonläufer (!) – schon während der ersten Strecke abgebrochen haben, weil ihre Beine total zugemacht hatten. Wandern ist eben doch eine andere Belastung als Laufen. Sollte man nicht glauben, ist aber wohl so. Ich wollte jedenfalls genießen und bin meinen sprichwörtlichen Stiefel vor mich hingelaufen.

Norddeutschland ist ja nun bekanntermaßen recht flach. Anders als in den bergigen Regionen, belasten hier nicht die Höhenmeter, sondern der unglaubliche Fernblick auf weite Horizonte (Achtung Ironie). Nichts desto trotz gab es auch auf der Tagesetappe einen Höhepunkt, den es hieß den Pilsberg, mit 128 Metern über NN einen der höchsten Punkte Schleswig-Holsteins zu bezwingen. Und oben angekommen konnte man sogar noch 111 Stufen des Hessenturms bewältigen. Gar nicht so einfach. Aber als Belohnung winkte eine grandioser Rundumblick. Die Strecke führte weiter über das alte Gut Panker, Lütjenburg und die mittelalterliche Turmhügelburg, in der man sich über das Leben im 12. Jahrhundert informieren konnte.

Nach dem Start um 12 Uhr mittags kam ich gegen 21 Uhr wieder in Hohwacht an. Leider mit ersten Knieschmerzen, so dass ich die Nachrunde schon in Frage gestellt hatte. Also erst mal eine Pause gemacht, ordentlich gegessen und dann überlegt, ob es weitergeht. Schließlich habe ich mich doch aufgerafft und bin gegen 22 Uhr dem Sonnenuntergang entgegen in Richtung des ca. 8 km entfernten Leuchturms Behrensdorf gewandert. Der Weg dorthin führt direkt am Strand entlang und es ist ein tolles Erlebnis der untergehenden Sonne nachzulaufen und die Wellen rechter Hand und die Froschkonzerte links im Schilf zu hören. Der Leuchtturm war auch wieder eine Verpflegungs- und Shuttlestation und so habe ich dort gegen halb eins in der Nacht die Tour beendet. Zurück in Hohwacht habe ich dann den Rest der Nacht im Wagen geschlafen und bin morgens zum Frühstück wieder zu den anderen gestoßen um gegen 12 Uhr am Sonntag dann mit allen Teilnehmern die erfolgreiche Premiere der 24 Wanderlust von Columbia in Hohwacht zu feiern.

Die Organisation von Columbia, dem lokalen Intersport Händler, dem Hotel Hohe Wacht und dem Hohwachter Tourismusbüro war insgesamt sehr gut. Klar gab es hier und da Verbesserungsmöglichkeiten. Aber ich finde es toll, dass es solche Events endlich auch mal im hohen Norden gibt und hoffe dass es in 2017 wieder viel zu erleben gibt. Denn die Erweiterung des Events steht fest und ich werden am 27. Und 28. Mai 2017 die 12 H Wanderung in der Nacht mitmachen. Dann aber im Rahmen der Columbia Hike & Run. Denn das Programm wurde vom Wandern auf Trailrunning erweitert und man kann zwischen der Teilnahme der 24 oder der 12 H Challenge wählen. Dazu dann später vielleicht mehr.

[Bildrechte alle bei mir, bis auf Titelbild und das 2. und letzte Foto der Galerie, die liegen beim Veranstalter]

Lage und Tourendetails

Hohwachter Bucht (Ostsee)

  • Schwierigkeit 40%
  • Steigungen 10%
  • Befestigte Wege 60%
  • Natur 80%
  • Wandern 100%
  • Spaß 80%