Mein No Gear Year. Ein Jahr ohne neue Ausrüstung?

von | 03.12.2017 | 2 Kommentare

Ein Rucksack voller Outdoor Ausrüstung

Vor ein paar Tagen bin ich über Facebook auf einen interessanten Artikel in Hendrik Morkels Blog „Hiking in Finland“ gestoßen. Er beschreibt darin seine Gedanken über ein „No Gear Year“ – Ein Jahr ohne neue Ausrüstung. Im Wesentlichen stellt er die Frage, ob man wirklich jede neue Trekkingjacke oder die neuesten Schuhe benötigt, nur weil sie ein paar Gramm leichter sind als die alten? Oder vielleicht nur, weil man sie im Shop XYZ gerade im Supersale für 20% günstiger kaufen kann? Sollte man das Geld nicht besser in spannende Trips statt in unnötige Ausrüstung investieren? Der Artikel hat mich zum Nachdenken gebracht. Und zwar aus zweierlei Gründen. Erstens bin ich selbst im Marketing tätig, lese Bücher zum Thema Neuromarketing, um meinen Job besser zu machen. Nämlich wie ich meine Kunden dazu bringe, mehr zu kaufen. Zweitens bin ich selbst durchaus affin für „cooles Zeug“ und lasse mich schon mal vom einen oder anderen Angebot zum Kauf hinreißen. So habe ich in den letzten Jahren meine Ausrüstung ordentlich aufgestockt und bin aktuell eigentlich ganz gut ausgestattet. Aber muss das so weitergehen? Brauche ich das wirklich?

Was ist die beste „No Gear“-Strategie?

Hendriks Tipp, das gesparte Geld in Reisen zu investieren, macht durchaus Sinn. Denn je nach Reiseziel, kosten Outdoor-Trips schon ein paar Euro. Ich möchte aber für mich einen anderen Weg gehen. Nach meiner Wildniswandertour im Oberen Donautal war für mich klar, dass ich das Gewicht in meinem Rucksack optimieren muss. Ich habe mich dann u.a. mit dem Thema Ultraleichtwandern auseinandergesetzt und mir ein paar leichtere Ausrüstungsgegenstände zugelegt. Aber diese Strategie kostet natürlich auch einiges an Geld, denn hochwertige und leichte Ausrüstung ist teuer. Es geht aber auch anders. Vielleicht einfach mal weniger mitnehmen! Ich war über Halloween 2 Tage alleine in der Südheide unterwegs und dabei habe ich natürlich auch versucht, meinen Daypack so leicht wie möglich zu packen. Das geht mit der richtigen Ausrüstung. Aber ich habe mich unterwegs ein paar Mal gefragt, warum ich das eine oder andere Teil überhaupt dabei habe. Für einen 2-Tages-Trip. Brauche ich z.B. die Trekkingstöcke wirklich? Gedacht waren sie – neben der Unterstützung beim Laufen – unter anderem auch als Stütze für mein Tarp. Aber ich ich habe letzten Endes ohne das Tarp in einem überdachten Unterstand geschlafen. Hätte ich Tarp und Stöcke zu Hause gelassen, wären das gut 1 Kilo weniger Gewicht gewesen. Und da ich zwar weit, aber in leichtem Terrain gelaufen bin, habe ich die Stöcke zum Laufen nicht einmal genutzt.

Übernachten im geschützten Unterstand geht auch ohne Tarp

Übernachten im geschützten Unterstand geht auch ohne Tarp

Ich habe aber auch keine Lust, ganz auf Komfort beim Wandern zu verzichten. Morgens einen warmen Kaffee trinken, das hat schon etwas. Also müssen Kocher und Topf mit. Und wenn man sich das Titelbild oben ansieht, das die Ausrüstung der Halloween-Tour zeigt, dann gibt es vielleicht gar nicht so viel, was man weglassen kann. Aber für mich wird das ein wichtiger Teil meiner ganz persönlichen „No Gear Year“-Strategie für 2016 sein: Nichts Neues zu kaufen UND zu versuchen, mit dem vorhandenen Material bestmöglich auszukommen und sogar hierbei noch Unwichtiges auszusortieren. Zumindest wenn ich zu Fuß unterwegs bin 😉 Mein Rücken wird es mir danken.

Update 03.12.2017

Es muss nicht immer die neueste Ausrüstung sein.

Jack-Wolfskin-KailashIIIm August 2017 war ich auf einer 9-tägigen Trekkingtour in Nord-Norwegen. Es war der erste Trip dieser Art für mich und ich habe lange bei den Vorbereitungen überlegt, ob ich mir einen neuen Tourenrucksack kaufen soll oder nicht. Von Tony, unserem Guide, kam die Ansage, dass ein passender Rucksack schon mindestens 60+ Liter haben sollte. Ich wollte aber eigentlich schlank bleiben und habe versucht, meinen 42 + 8 Liter Vaude Rucksack zu nehmen. Aber ich bin dann leider an der Menge der Verpflegung gescheitert. Es wäre schon irgendwie gegangen. Aber nur mit Qual und ohne jegliche Reserven. Also habe ich doch meinen 20 Jahre alten Jack Wolfskin Kailash II genommen, den ich mir Anfang der Neunziger für einen Trip in die USA gekauft hatte. Den hatte ich zuletzt auf der Wildniswandertour im Donautal dabei. Für 3 Tage. Viel zu üppig.

Der alte Pack wog zwar gut 1,5 Kilo mehr als mein kleiner Vaude. Aber dafür habe ich auch alles problemlos reinbekommen. Einziger Wermutstropfen: Der Tragekomfort war echt übel. Der Rucksack hing dermaßen schlecht, dass ich die meiste Last auf den Schultern getragen habe. Da waren die Mitwanderer mit ihren neuen Rucksäcken deutliche lockerer unterwegs.

Nichts desto trotz, hat der Rucksack die Trekkingtour bis auf ein paar mehr Kratzer gut überstanden. Und für mich war die Entscheidung richtig, nicht nur für diese Tour einen neuen Rucksack zu kaufen. Denn eine Frage war u.a. : Werde ich nochmal so eine Tour machen und überhaupt einen so großvolumigen Rucksack benötigen? Diese Frage lasse ich mal offen. Der alte Pack wurde mittlerweile doch entsorgt, weil er einen Riss am Korpus hatte. Sollte ich das nächste Mal auf eine größere Tour gehen, schaue ich mir erst wieder an, ob es wirklich einen großen Rucksack bedarf.