Frankenwald Wandermarathon – Über 40 km Wandern und Natur genießen

von | 18.05.2016 | 0 Kommentare

Wandern ist doch was für Spießer und alte Leute! Das dachte ich früher und sicher denkt das so manch anderer noch heute. Aber selbst in der Werbung kam aus Kindermund schon der Satz „wenn ich groß bin will ich auch Spießer werden“. Nun bin ich groß und zumindest auch schon mittelalt, vielleicht bin ich auch ein klein wenig Spießer, aber wenn ich bedenke, dass meine Wanderkarriere eigentlich erst vor gerade einmal vier Jahren mit den Mosel Traumpfaden begann, bin ich über den gemütlichen Wanderspaziergang schnell hinweggekommen. Aber wie kam es dazu und wieso wandert man eine Marathondistanz?

Bei den Traumpfaden auf den Geschmack gekommen habe ich beim Wildniswandern ein paar Grenzen kennengelernt. Dabei sind wir nicht mal eine große Distanz gegangen. Ich wollte daher wissen, wie weit ich eigentlich am Stück wandern kann, bevor ich mich mal auf eine echte Trekkingtour wage. Irgendwann habe ich dann über die 24 Stunden von Bayern gelesen und mich 2014 spontan angemeldet. Beim Losverfahren sah ich meine Chancen eh sehr gering, aber dann habe ich doch einen Startplatz gewonnen und bin immerhin 56 km in rund 18 Stunden gelaufen. Bei den 24h habe ich Tobias und Michaela kennengelernt, mit denen ich einen Großteil der Strecke gelaufen bin. Und eben diese beiden haben mir vom Frankenwald Wandermarathon erzählt, von der tollen Organisation und dem Spaß den diese Veranstaltung macht. Also haben wir uns für 2015 dort verabredet.

Frankenwald Wandermarathon 2015 – Meine Premiere

Meinen Premieren-Wandermarathon wollte ich ganz entspannt angehen. Da ich am Donnerstag vor dem Event einen geschäftlichen Termin in Berlin hatte, war zumindest die Anfahrt schon wesentlich kürzer als geplant. Da ich zu selten zum Zelten komme, wollte ich den Aufenthalt vor Ort auch nutzen und mal wieder im Zelt schlafen. So habe ich mich von Freitag bis Sonntag auf dem Campingplatz Schloss Issigau eingemietet. Die Anlage ist sehr schön gelegen und die Sanitären Anlagen sind top. Und zum Glück habe ich Freitagabend noch daran gedacht, meinen Wagen vor dem Haupttor zu parken. Denn das wird über Nacht abgeschlossen! Es wäre etwas peinlich gewesen, wenn ich die Eigner morgens um 5 Uhr aus dem Schlaf hätte klingeln müssen, damit sie mir das Tor öffnen. So konnte ich ganz entspannt losfahren und war so früh an der Göbelhalle der Textilstadt Helmbrechts, dass ich sogar noch einen Parkplatz in der ersten Reihe bekam. Kurze Wege am Abend 😉

Die hochgelobte Organisation kann ich nur bestätigen. In der Halle war alles top vorbereitet. An der einen Seite das Catering für Frühstück oder das spätere Abendessen, an der anderen ein paar Stände der Sponsoren. So konnte ich z.B. auch ein Teasi One Navi testen, was mich aber alleine aufgrund der kurzen Akkulaufzeit nicht wirklich überzeugt hat. Nach etwa der Hälfte der Strecke ging der Saft aus und das Teil wanderte in den Rucksack. Nach Check-In und Frühstück ging es dann pünktlich um 7 Uhr los zum Massenstart. Ich war echt gespannt.

Ein Marathon kann auch Spaß machen!

Insgesamt war mein erster Frankenwald Wandermarathon ein sehr schönes Erlebnis. Die Strecke sehr abwechslungsreich und gerade die Laufstrecke im Vergleich zu den 24 Stunden von Bayern 2014 deutlich angenehmer. Ein erträglicher Anteil an Asphaltstrecken und viel mehr Feld-, Wald- und Wiesenwege. Eine Wohltat für die Füße! Nichts desto trotz habe ich gegen Ende des Tages gemerkt, was es bedeutet (ziemlich untrainiert) eine Distanz von 43,6 Kilometern zu wandern. Wir waren inklusive der Pausen insgesamt 12 Stunden unterwegs. Und auf den letzten rund 5 km wollten meine Oberschenkel eigentlich gar nicht mehr. Den Rest der Strecke habe ich mich dann mit Stöcken durchgequält. Aber da wir eine super Truppe waren, kamen alle an. Zwar geschafft, aber glücklich.

Das Wetter hat auch ganz gut mitgespielt. Morgens noch fast Sonne pur zogen gegen Mittag immer mehr Wolken auf und nach der Mittagspause regnete es auch ein wenig. Aber alles in einem erträglichen Maß so dass die Regenklamotten schon kurze Zeit später wieder verpackt werden konnten. Und die immer wieder spaßigen Kommentare auf den Streckenschildern taten ihr Übrigens, um die Stimmung zu heben.

Strecke, Wetter, Organisation waren das eine. Aber es gab auch tolle Gespräche mit interessanten Menschen wie Torben vom Wandervideoblog, mit dem ich gegen Ende recht lange zusammen gelaufen bin. Oder unterhaltsame Streckenabschnitte z.B. mit Aktionen der närrischen Frankenwald Weiber. All das zusammen hat mir echt sehr viel Spaß gemacht und die Anstrengung war nur Nebensache. Und ich habe mir fest vorgenommen, den Wandermarathon öfter mitzulaufen. Vielleicht nicht in jedem Jahr. Dafür ist die Entfernung aus dem Norden einfach zu groß, um mal eben schnell für so ein Event durch halb Deutschland zu fahren. Ein Problem, das ich mit den Wintertreffen von Lauche & Maas auch habe. Aber für 2016 steht der Wandermarathon wieder auf dem Plan. Der Bericht folgt nach dem Event, das am 30.04.2016 rund um die Bierstadt Kulmbach stattfindet.

Wer sich für den Frankenwald Wandermarathon interessiert, der kann sich hier noch ein paar Impressionen aus meinem Video-Zusammenschnitt holen (bei weitem nicht so professionell wie die Videos von Torben!). Oder schaut auf die Webseite des Wandermarathons oder die Facebook-Fanpage. Viel Spaß und vielleicht sieht man sich schon bald beim nächsten Event 😉

Frankenwald Wandermarathon 2016 – Rund um die Bierstadt Kulmbach

2015 war meine Premiere beim Wandermarathon im Frankenwald. Aber ich fand das Event echt toll und daher war klar, dass es nicht meine letzte Teilnahme sein würde. Als der Termin dann feststand habe ich mich gleich für die Teilnahme registriert und mir ein Zimmer im nahegelegenen Hotel Kronprinz reserviert. Damit war das Wichtigste erledigt. Termin gefixt und Übernachtung so geregelt, dass ich morgens zum Start nur einmal über die Straße zum Start gehen muss. Der Rest war dann eher eine Kleinigkeit. Wir haben Freunde in Coburg sodass wir gleich ein paar Tage an das Wanderevent drangehängt haben. Schließlich muss man ja keine 600 Kilometer fahren, nur um sich einen Tag lang die Füße platt zu laufen. Und natürlich habe ich mich mit den Wandergenossen vom letzten Jahr verabredet. Schließlich waren wir ein sehr gutes Team von Genusswanderern.

Bevor es am Morgen des 30. Aprils dann wirklich auf die Bahn ging, konnte man sich wieder am perfekt organisierten Catering in der Stadthalle erfreuen und ein üppiges Frühstück genießen. Zur Einstimmung gab es noch eine kurze Prämierung für die erfolgreiche Bezwingung des kompletten Frankenwaldsteigs für die eine Wanderin ein exklusives T-Shirt von Weitwanderer Thorsten Hoyer überreicht bekam. Für das passende Lokalkolorit sorgte eine Truppe Jagdhornbläser. Schön ist zwar anders, aber danach waren wenigstens alle Teilnehmer wach. Pünktlich um 7 Uhr ging es dann direkt vor der Stadthalle im Massenstart los. Und die erste Etappe hatte es gleich in sich. Es ging direkt hoch zur Plassenburg, dem Wahrzeichen von Kulmbach. Zum Start ein solcher Anstieg ließ nichts Gutes für den Tag erahnen. Aber man hatte oben an der Burg immerhin schon einen Teil der angekündigten 900 Höhenmeter geschafft.

Vielfältiges Programm mit 17 Erlebnis- und 14 Verpflegungsstationen

Bereits an der ersten Station hatte sich das Feld schon merklich entzerrt. Bei den Reservisten der Bundeswehr gab es Faltflaschen für alle Teilnehmer. Eine tolle Aktion, die Müll vermeiden sollte, da man die Flaschen ja an jeder weiteren Station wieder auffüllen konnte. In Ergänzung zum Faltbecher aus dem letzten Jahr ein durchaus nachhaltiger und lobenswerter Ansatz. Beim Frankenwald Wandermarathon geht es ja neben dem Spaß am Wandern auch um die Präsentation der Region und der regionalen Besonderheiten und Anbieter. Ich persönlich finde es ein prima Konzept, denn man lernt so eine Wanderregion und die lokalen Besonderheiten auf eine sehr angenehme Art kennen. So war zum Beispiel die nächste Station beim Rangabauer, einem Biohof, der Getränke sowie Ausstraafta (ausgepresste Bratwurtst) und Weiser-Kees (eine Art Frischkäse) auf Broten feil bot. Für die Vegis war leider das Problem, dass Wurst und Käse in einer Papiertüte angeboten wurden. Hier gibt es also Verbesserungspotential. Beim Rangabauer machte ich auch die Bekanntschaft mit Ludo, dem 8 Wochen alten Jungbullen.

Es ging weiter durch schöne Wälder, saftige Wiesen und von einer Eventstation zur nächsten. Und überall gab es leckeres zu Essen und zu Trinken. Vom Schwarzfleisch (geräucherter Schinken) über Bierbrand, einem Schnaps aus original Kulmbacher Bier bis zu erfrischender Kräuterlimo. Letztere war ein Gemisch aus Apfelsaft, Zitronensaft und Wasser, angereichert durch Wildkräuter wie Giersch, Gundermann, Schokominze und Zitronenmelissse. Lecker! Aber nicht dass Ihr denkt, es geht beim Wandermarathon nur darum, von Fressstation zu Saufstation zu wandern. Weit gefehlt. Es gab auch naturkundliche Eventstationen. So gab es die Möglichkeit an einem ruhenden Feld brütende Kibitze zu beobachten. Oder blind Naturmaterialien zu erfühlen: Fichtenzapfen, Moos, Kronkorken. Ja Kronkorken. Hier ging es darum Hopfen und Malz zu erraten! Auf dem höchstgelegenen Punkt der gesamten Strecke, auf dem Patersberg, der mit immerhin 528 Metern einen tollen Rundumblick ermöglicht, wurden wir durch den Turmwächter auch kurz in die Geschichte des Turms eingewiesen.

Geheimtipp für Geocacher: Direkt unterhalb des Turms ist ein netter Cache versteckt. Sucht einfach nach dem Frosch 😉

Landschaftliche Besonderheiten wurden mit passenden Aktivitäten präsentiert. So hatte die Bergwacht an einem Hang ein Seil gespannt, an dem man sich actionreich abseilen konnte. Wir kamen an einer Freianlage vorbei, an der man sich sein eigenes Schwein „leasen“ konnte. Ist beinahe wie das Autoleasing, nur dass man sein Schwein später verputzen kann und nicht wieder abgeben muss. Und natürlich wurde immer wieder für Entspannung gesorgt. Ob bei den Frankenwald Weibern mit lustigen Sprüchen oder kurz vor dem Ziel auf den Liegestühlen von Wandertorben mit Blick auf die Plassenburg.

Markus Franz, der Organisator des FWM, ist aber bekannt für seine kleinen fiesen Details der Streckenplanung. So saß man eben noch gemütlich auf den Liegestühlen und dachte, man hat es ja bald geschafft. Aber nein, die Strecke machte natürlich noch mal einen ordentlichen Bogen und es kam noch mal eine kurze, aber sehr fiese Steigung. Es sollte ja keiner total relaxt ins Ziel kommen!

Fazit zum 5. Wandermarathon im Frankenwald

A propos relaxt. Ich bin ganz froh, dass sich meine Truppe gefunden hat. Denn wir wollen alle Spaß und Genuß beim Wandern haben. Letztes Jahr hatte ich zur Hälfte teilweise schon das Gefühl, dass alle davonrennen – oder permanent shutteln. Dieses Jahr war das Gefühl sogar noch stärker. Obwohl wir genau im Zeitplan lagen, in einer normalen aber gemütlichen Geschwindigkeit unterwegs waren, haben wir bereits nach den ersten Stationen niemanden mehr gesehen. Die anderen schienen auf der Flucht zu sein. Uns war das aber letzten Endes egal. Wir hatten unseren Spaß, haben jede Eventstation genossen und die Anbieter mit einer ordentlichen La Ola-Welle honoriert, und uns bis zum Schluss gegenseitig motiviert und sind so alle zusammen nach gut 12,5 Stunden im Ziel angekommen. Alle ohne größere Blessuren und mit der Gewissheit, wieder viel erlebt und gesehen zu haben. Und die kompletten 42-44 Kilometer (je nach Veranstalterangabe oder GPS-Uhr) erwandert zu haben! Schön war es wieder, bei perfektem Wanderwetter. Bis zum nächsten Mal 😉

Hier gibt es übrigens noch ein lustiges Video, wie so ein Wandermarathon überhaupt entsteht:

Lage und Tourendetails

Textilstadt Helmbrechts, FW 2015

Bierstadt Kulmbach, FW 2016

  • Schwierigkeit 60% 60%
  • Steigungen 40% 40%
  • Befestigte Wege 60% 60%
  • Natur 100% 100%
  • Wandern 100% 100%
  • Spaß 80% 80%