Kann man mit dem Tarp nach Nord-Norwegen?

von | 12.09.2017 | 2 Kommentare

Ich gebe es zu, manchmal bin ich beratungsresitent. Aber so manche Erfahrung muss man eben auch selbst machen, um wirklich mitreden zu können. Im konkreten Fall geht es um die Frage, ob es so clever ist, im nordischen Sommer mit einem Tarp statt einem Zelt unterwegs zu sein. Beides hat Vor- und Nachteile. Welche für mich bei einer Norwegen-Tour im August 2017 ausschlaggebend waren könnt Ihr hier lesen.

Ich habe schon Touren mit Tarp-Übernachtungen gemacht. Sowohl bei gutem als auch bei schlechtem Wetter mit 4 Tagen Dauerregen. Und wir haben uns dabei sogar immer zu zweit ein Tarp geteilt. Die Touren fanden zwar in Deutschland statt, also in relativ gemäßigten Breiten. Aber Regen und Mücken sind doch überall gleich. Dachte ich. Deshalb habe ich unseren Guide Tony Hinze vor unserer Tour gefragt, ob das mit dem Tarp nicht gehen würde. Seine Empfehlung war erwartungsgemäß eine andere.

Ein Tarp ist deutlich leichter als ein Zelt – bei ähnlichen Platzverhältnissen.

Mein Hauptargument für das Tarp war das geringere Gewicht gegenüber dem Zelt. Ich wollte versuchen, so gut es eben geht Gewicht einzusparen. Und mein DD Tarp in 3 x 3 Metern wiegt selbst mit den Extraheringen nur knapp 600 g wohingegen mein Salewa Micra II stolze 2,5 kg auf die Waage bringt. Zudem war auf der aktuellen Tour geplant, dass wir von den 9 Nächten nur 2 im Zelt schlafen, die restlichen waren in Hütten geplant. Also warum eine Woche 2 kg zusätzliches Gewicht mitschleppen? 1:0 für das Tarp.

Das Platzangebot im Tarp und im Zelt sind je nach Aufbau nahezu gleich. Mein Micra II ist für zwei Personen ausgelegt, macht aber für einen mit Gepäck deutlich mehr Spaß. Regenschutz hat man im Tarp auch. Das habe ich auf unserer Donau-Tour am eigenen Leib erfahren. Denn dort lagen wir zu zweit inkl. Rucksack im Tarp und wurden trotz Dauerregen nicht naß. 2:0 für das Tarp.

Der etwas offensichtlichere Vorteil des Zeltes ist ein besserer Windschutz bei sehr schlechtem Wetter. Aber auch das kann man mit der richtigen Bauweise als Tarp-Tent super kompensieren. Hier würde ich ein Unentschieden testieren. Also 3:1.

Das Zelt ist (mücken)dicht – das Tarp nicht.

Okay, das war mir vorher auch klar. Und dass es im Sommer in Norwegen abertausende lästiger Mücken geben soll, liest man auch überall. Aber es sollten doch NUR 2 Nächte sein. Ich schlafe in der Regel wie ein Stein. Immer und überall. Egal ob draußen im Wald auf einer Isomatte oder im Hotelbett. Wenn ich müde bin, dreh ich mich um und schlafe. Darauf habe ich mich nach meiner Entscheidung, doch nur das Tarp mit nach Norwegen zu nehmen, voll verlassen. Und beim Wetter hoffte ich auf das Beste.

In der ersten Nach habe ich mein Zelt nach der Anleitung in obigem Video aufgebaut. Durch die zeltähnliche Bauweise ist das Tarp nahezu von allen Seiten geschlossen. Der Platz im Inneren wird zwar etwas kleiner, aber für eine Person inkl. Gepäck ist das völlig ausreichend. Wenn man den Eingang entgegen der Windrichtung aufbaut, dann kann es eigentlich gar nicht reinregnen. Tat es auch nicht, denn wir hatten keinen Regen. Aber Mücken. Und wenn kein Wind weht, kommen die zu tausenden. Und die finden dann natürlich auch die eine insektengitterfreie Öffnung. Aber meistens nicht mehr raus. Das hatte dann zur Folge, dass ich diese Nacht komplett im Schlafsack eingemummelt und mit Moskitohut geschlafen habe. Erholsamer Schlaf ist etwas anderes. Denn neben dem enervierenden Gesummse war mir einfach auch viel zu warm. Mein Therm-A-Rest Altair Daunenschlafsack ist für Minusgrade ausgelegt und für die Tour definitiv oversized. Und Reißverschluss auf und Beine rausstrecken? Keine gute Idee. Also schwitzen und unruhig schlafen. Selbst schuld.

In der zweiten Nacht wollte ich dann schlauer sein als die Mücken. Ich habe das Tarp bewusst wie ein klassisches Zelt aufgestellt. Also nur die Plane und an zwei Seiten offen. Dann weht der Wind durch, es wird mir nicht so warm und die Mücken werden auch gleich wieder rausgeweht. Denkste. Zu warm war es trotzdem im Schlafsack. Und obwohl ein recht guter Durchzug im Inneren herrschte, ließen sich die Mücken nicht davon abhalten, mich die ganze Nacht zu nerven. Der Moskitohut kam auch in der zweiten Zeltnacht zum Einsatz. Und entspannt schlafen mit so einem Fliegengitter vor dem Gesicht ist etwas anderes.

Mit dem Tarp auf Nordland-Tour oder nicht?

Um die eingangs gestellt Frage ehrlich zu beantworten: Kann man machen, muss man aber nicht! Zumindest nicht nur mit dem Tarp und nicht im Juli/August, wenn die Hochsaison der Mücken ist. Man kann natürlich auch ein extra Moskitonetz mitnehmen. Oder sonstige Mückenabwehrmittel und Geräte. Aber aufgrund des zusätzlichen Gewichts ist dann der Vorteil gegenüber einem Zelt auch nicht mehr so groß. Und bei schlechtem Wetter über einen längeren Zeitraum ist das Zelt sicher auch die bessere Wahl.

Da ich das Risiko nur für zwei Nächte eingegangen bin, war es für mich okay. Aber bei einer längeren Tour würde ich in Skandinavien immer ein Zelt vorziehen. Es sei denn man gehört zu den ganz harten Zeitgenossen.

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