Kleine Wanderung im Norra Kvill Nationalpark in Schweden

von | 15.09.2017 | 0 Kommentare

Der Norra Kvill ist einer von 29 schwedischen Nationalparks und liegt in der Region Småland im Südosten. Gegründet im Jahr 1927 umfasst er heute eine Gesamtfläche von 114 ha. 90% davon sind Nadelwald, durchzogen von Mooren und zwei schönen Seen. Wir haben uns im Spätsommer 2017 gemütlich durch den Norra Kvill Märchenwald treiben lassen. Ganz in der Nähe des Nationalparks gibt es übrigens noch weitere Kleinode, die es zu besuchen lohnt.

In jedem Urlaub nehmen wir uns vor, möglichst viel zu sehen. Bei einem so weiten Land wie Schweden ist das zwangsläufig mit langen Fahrten im Auto verbunden. Umso schöner, wenn das Ziel der Tour ein wunderschönes, entschleunigendes Naturparadies ist. Am Norra Kvill angekommen kann man gut an einem kleinen Wanderparkplatz halten und den Einstieg in den Wald beginnen. Es gibt 2 Rundwanderwege im Park, die man gut verbinden kann. Je nach Kondition kommt man so auf 3 – 5 Kilometer. Das klingt nicht viel, aber die Pfade sind steinig und es geht permanent auf und ab.

Der Norra Kvill Nationalpark ist zwar kein echter Urwald, aber er wird seit über 150 Jahren sich selbst überlassen. Dadurch wirkt der Wald unheimlich wild und alt. Überall liegen umgestürzte Bäume, hauptsächlich Fichten und Kiefern, die den größten Bestand im Wald ausmachen. Was uns in vielen Wäldern Südschwedens aufgefallen ist, sind die weitläufigen Moosflächen und mit Flechten überzogenen Steine. Dadurch schimmern die Waldböden immer sagenhaft grün und man läuft wie auf Wolken. Das  ist im Norra Kvill auch so. Wenn auch deutlich ausgeprägter, da der ganze Park überseht ist von Steinblöcken alle Größen und Formen. Diese Vielfalt an Felsen macht den besonderen Reiz des Nationalparks aus. Fordert aber auch die Aufmerksamkeit der Wanderer beim Schlendern durch den Wald.

Zwei Seen und ein mächtiger Granitfelsen

Zunächst geht es leicht bergauf durch grüne Zauberwelten in Richtung des ersten Sees, des Stora Idgölen. Um den See führt die kleine, rot markierte, Wanderrunde und man erschließt sich den ältesten Teil des Schutzgebietes. Der See liegt verwunschen inmitten des Waldes und man kann sich von zahlreichen Aussichtspunkten der Ruhe des Parks hingeben und seiner Fantasie freien Lauf lassen.

Wer den großen See nicht umrundet, biegt rechts ab und geht weiter in Richtung des kleineren Lilla Idgölen. Dieser nördliche Teil des Waldes wurde erst 1994 in den Nationalpark aufgenommen. Auch diesen See umgeben weite Moorflächen und man steht am Rand des Ufers immer auf einem Schwamm aus Moos.

Folgt man der blauen Wegmarkierung bergauf in Richtung des höchsten Punktes, dem mit 45 Metern über der Wasserfläche liegen Berg Idhöjden, so erreicht man einen perfekten Platz für eine Rast. Auf den freien Granitflächen lässt sich wunderbar in die Ferne blicken und bei sonnigem Wetter döst man schnell auf den warmen Steinen weg. Das einzig störende bei unserem Besuch waren einige Militärflugzeuge, die in der Nähe Manöver flogen. Man ist eben doch nicht ganz aus der Zivilisation entkommen.

Weiter geht es wieder bergab in Richtung Stora Idgölen, den man, erneut der roten Markierung folgend, südöstlich umrundet. Auch hier gibt es immer wieder schöne Stellen am Ufer, um den Blick über den See und den umgebenden Wald schweifen zu lassen. Zurück zum Parkplatz geht es auf dem ursprünglichen Weg.

Der Spätsommer ist nicht die beste Zeit, um die meisten Tiere des Parks zu sehen. So soll es Auerhähne und seltene Schellenten im Nationalpark geben. Immerhin haben wir kurz einen Schwarzspecht und einen Grünspecht gesehen. Und einige Meisen, die es aber fast überall gibt. All gegenwärtig sind zu dieser Jahreszeit, gerade wenn es etwas mehr geregnet hat, die unzähligen Pilze. Von essbaren Maronen und Steinpilzen, bis zu rotglänzenden Fliegenpilzen, über diverse Baumpilze, die den Zersetzungsvorgang des Altholzes unterstützen, gibt es Pilze soweit das Auge reicht. Uns hat am meisten aber das satte Grün der Moose und Flechten gefallen. Durch die Steinblöcke in allen Größen und die umgestürzten Bäume wirkt der Wald im Norra Kvill Nationalpark in der Tat wie ein verzauberter, immergrüner Märchenwald.

Wer mal in der Nähe ist und die Tour laufen möchte, der findet sie auf Komoot mit ein paar weiteren Bildern und Details.

Zwei schwedische Berühmtheiten

Unbedingt sehenswert nach dem Waldspaziergang ist die Norra Kvilleken. Diese beinahe 1.000 Jahre alte Stieleiche steht gut 3 Kilometer entfernt gut zugänglich zwischen Weideflächen, ist jedoch schon von weiten zu sehen. Wenn man vor diesem alten, zerbrochenen Baum steht, fragt man sich unweigerlich, welche Geschichten er in seinem Leben alle gesehen und gehört haben mag. Die 14 Meter Umfang werden erst so richtig deutlich, wenn man vor dem Baum steht. Beeindruckend und wenn man bedenkt, dass diese Eiche Schwedens bekanntester und vor allem auch ältester Baum ist, dann sollte man die Kvilleken nach dem Norra Kvill auf jeden Fall noch sehen.

Wer am Ende noch etwas Zeit übrig hat und noch Muße auf weitere Sehenswürdigkeiten hat, der kann in ca. 6 km Entfernung das Filmhaus von „Michel aus Lönneberga“ besuchen. Der kleine Hof Katthult weckt in der Tat Kindheitserinnerungen an Szenen aus den Astrid Lindgren Filmen. Ob nun der Fahnenmast vor dem Haus, an dem Michel seine kleine Schwester hochgezogen hat. Oder das Klo, in dem er seinen Vater einsperrte. Alles ist da und man kann sich die Gebäude ansehen. Zumindest von außen, denn der Hof ist in Privatbesitz.