Paddelwochenende am Rätzsee (Mecklenburgische Seenplatte)

von | 22.07.2018 | 0 Kommentare

Beim Wintertreffen dieses Jahr hatten Petra, Markus und ich verabredet, dass wir im Sommer mal gemeinsam mit ein paar Freunden paddeln gehen. Ein schön entspanntes Wochenende. Wenn man mit mehreren Leuten so ein Event im Voraus plant, spielen immer zahlreiche Faktoren mit rein. Wer hat ein Boot, wer muss eines leihen? Wer schläft im Zelt, wer im Auto oder Camper? Und an welchem Wochenende passt es allen am besten? Nachdem wir uns auf ein Wochenende Mitte Juli verständigt hatten – gerade so zu Beginn der Ferienzeit – verkleinerte sich die Gruppe aufgrund beruflicher Termine und einer Verletzung dann doch auf ein Dreiergespann. Was die Planung allerdings auch etwas leichter machte.

Die Wahl fiel schließlich auf die Mecklenburger Seenplatte und dort auf den Rätzsee. An der dortigen Fleether Mühle gibt es nämlich einen schönen Campingplatz (Ferienidyll am Rätzsee) und einen Kajakverleih (Pack & Paddel) direkt am Wasser. „Camping bei Motte“ bietet am Wasserwanderplatz auch ein paar Holzhütten. Perfekt für uns, da wir so kein Zelt mitnehmen mussten und das Schlaferlebnis in einer solchen Holzunterkunft auch mal was nettes war. Also alles gebucht in der Hoffnung, das das Wetter hält.

Ankunft am Rätzsee

Das Wetter war in diesem Sommer nun wahrlich unser geringstes Problem 😉 Anstrengender war das Verkehrschaos in und um Hamburg, um am Freitagnachmittag loszukommen. Da wir nur zu dritt waren, haben Heike und ich unsere Kajaks aufs Dach gepackt und haben Petra unterwegs noch aufgepickt. Gegen 19 Uhr kamen wir dann am Campingplatz an. Der Empfang war sehr freundlich und das Handling total entspannt. Schlüssel für die Hütten, Duschmarken, Info wo es Brötchen fürs Frühstück gibt, alles war total unaufgeregt.

Wir haben dann erst mal die Hütten bezogen und haben uns noch ein wenig umgesehen. Direkt am Wasserwanderplatz gibt es ein eigenes Sanitärgebäude. Man muss wissen, dass der eigentliche Campingplatz ein FKK-Gelände ist. Das will nicht jeder, daher gibt es getrennte Sanitärhäuschen. Bistro und Café sind dagegen für alle. Aber es rennt dort niemand nackend rum. gegenüber von Campingplatz und Kajakverleih ist die eigentliche „Fleether Mühle“, ein ehemaliges VEB-Gelände, das die Inhaber zu Ferienwohnungen, Eventlocations und einem schönen großen Biergarten umgebaut haben. Um Verpflegung mussten wir uns also keine Sorgen machen. Aber für den ersten Abend hatten wir Grillzeug dabei, um auf Petras Cobb Grill ein paar Würstchen zu rösten und ein paar Gläschen Wein zu genießen.

Tag 2 – Die 3-Seenrunde über Rätzsee, Gobenowsee und Labussee

Am Samstag wollten wir die 3-Seenrunde fahren. Ein weiterer Grund für die Location war die zentrale Lage, so dass wir am Samstag eine schöne größere Tour, und am Sonntag noch einen halben Tag gemütlich woanders paddeln konnten. Nach einem gemütlichen Frühstück hatte Petra dann ihr Kajak von Pack & Paddel geholt und wir unsere eigenen Prijon Cruiser bepackt. Los ging es direkt am Platz mit einem bequemen Einstieg und durch einen ca. 2,5 km langen Kanal Richtung Rätzsee. Da es an dem Wochenende recht windstill war, waren auch die Seen kein größeres Problem. Bei stärkerem Wind, machen die Kanäle einfach mehr Spaß. So konnten wir den ersten See über gut 5 km bequem queren, um am Ende kurz vor dem Einstieg in den nächsten Kanal, noch mal kurz Rast an einem Campingplatz zu machen. Da es relativ wenig freie Anlegestellen gibt, hält man eben an den Campingplätzen. Dort wird man in der regel geduldet, um ein kurzes Päuschen zu machen oder mal um die Ecke zu gehen. Solche Plätze findet man gut über die Karten, die man in der Regel vom Verleiher bekommt oder man hat sie sich beim Jübermann-Verlag selbst besorgt (Hier: Wassersport-Wanderkarte WW6).

Nach dem Rätzsee ging es weiter durch die sehr schöne Drosedower Bek Richtung Gobenowsee, wo wir dann eine etwas längere Pause an einem linksseitigen Campingplatz gemacht haben. Quert man den Gobenowsee über ca. 1 km gelangt man in den Dollbeck. Einen weiteren, sehr schönen Kanal mit dem typischen Schilfgürtel und Baumbestand direkt am Wasser. Mir persönlich gefallen diese Kanäle am besten. Leider muss man dazwischen immer wieder mal einen See queren. Als nächstes gelangt man in den Labussee, der Teil der Müritz-Havel-Wasserstraße ist, und an dessen Ende man zur Weiterfahrt entweder umtragen oder schleußen muss. Wer Zeit hat sollte schleußen. Das dauert zwar je nach Verkehrsaufkommen und Tageszeit etwas länger, aber ist immer wieder ein schönes Erlebnis.  Nach der Diemitzer Schleuse geht es weiter entspannt durch schmale Gewässer, man fährt kurz in den Vilzsee, um dann direkt rechts am Örtchen Fleeth vorbei in Richtung Fleether Mühle zu paddeln. Dort angekommen ist linker Hand oben erwähnter Biergarten, an dem man zum Abschluss des Tages ein schönes Päuschen machen kann. Von hier aus muss man sein Boot auch ca. 200 Meter zum Campingplatz tragen, da man nicht direkt zur Einsatzstelle paddeln kann.

Samstag Abend wollten wir dann die kulinarischen Qualitäten im Biergarten testen und den Abend gemütlich ausklingen lassen. Die Pizzen sind total lecker und das schöne dabei ist, dass man seine Pizza aus der Grundvariante und unterschiedlichen Belägen selbst zusammenstellen kann. Lustig ist auch, dass man bei der Bestellung keine Nummer sondern Märchennamen erhält. Das hat schon was, wenn man am Tisch sitzt und plötzlich „Rapunzel“ oder „Der kleine Muck“ ausgerufen wird. Es hat auf alle Fälle unter den Gästen für gute Laune gesorgt. Einer der Gäste hat versucht einen Holz- und Reisigstapel zu einem Lagerfeuer anzufachen, was zunächst nur mäßig gelang. Da es abends trotz sommerlicher Tagestemperaturen kühler wurde, war es total toll, dass wir ein kleines Lagerfeuer hatten. Und der Inhaber kam in regelmäßigen Abständen mit seinem Minibagger vorbei und hat irgendwelches Abrissholz auf das Feuer gekippt, so dass für ausreichend Wärme und Atmosphäre gesorgt war.

Tag 3 – Kurze Runde über den Vilzsee

Da wir Sonntagnachmittag wieder zurück Richtung Hamburg mussten, wollten wir keine allzu lange Tour machen. Aber aufs Wasser wollten wir schon. Daher sind wir nach dem Frühstück den Kanal ab der Fleether Mühler zurück zum Vilzsee gepaddelt. Von dort kann man zum einen in den Mössensee paddeln. Dieser ist ebenfalls Teil der Müritz-Havel-Wasserstraße und führt in Richtung Mirow. Wir wollten aber auf dem Vilzsee bleiben und uns einfach ein bisschen treiben lassen. Der Unterschied zur gestrigen Tour war unter anderem am stärkeren Bootsverkehr zu spüren. Anders als Rätzsee und Co. ist der Vilzsee nicht für Motorboote gesperrt und in der Mitte gibt es sogar eine ausgewiesene Wasserski-Strecke. Zum Glück herrscht auch auf dem See zwischen 12 – 15 Uhr eine Mittagsruhe, so dass es nicht ganz so laut wurde. Wir hatten uns dann ein schönes Eckchen für eine kurze Pause an Land gesucht und ein paar Happen gegessen. Die Bucht haben kurz nach uns auch 3 kleine Yachten für sich entdeckt. Nach der Pause ging es dann am anderen User wieder zurück zur Fleether Mühle.

Ich bin gerne auf der Mecklenburger Seenplatte. Die Abwechslung zwischen Seen und Kanälen ist schön, wenngleich ich die Kanäle attraktiver finde. Wenn man nicht unbedingt zu den Sommerferien dort ist, ist es in der Regel auch recht ruhig. Neben den üblichen Verdächtigen wie Enten, Schwänen und Wasserhühnern sieht man aber auch immer wieder mal Reiher oder Fischadler über den Köpfen. Und natürlich sieht man hier und da dicke Fische aus dem Wasser springen. Den Standort an der Fleether Mühle kann man sich merken. Die Lage ist sehr gut für ein Paddelwochenende geeignet. Es gibt gute Boote vor Ort zu leihen (Kajaks aber auch Kanadier) und die Leute vom Campingplatz sind auch entspannt. Und von Hamburg aus ist man bei normaler Verkehrslage in ca. 2,5 – 3 Stunden dort. Hat mal wieder Spaß gemacht und war sicher nicht unser letztes Mal in „Meck-Pomm“.

Lage und Tourendetails

  • Schwierigkeit 50% 50%
  • Anteil Kanäle zu Seen 50% 50%
  • Natur 90% 90%
  • Spaß 70% 70%